Die Reise von Frankfurt nach Baden-Baden ist bei guter Verkehrslage ein Klacks. Wenn die Autobahn frei ist, braucht man nur ca. 90 Minuten. Das besondere ist aber, dass man nicht nur 150 km zurücklegt, sondern auch knappe 150 Jahre.
Baden-Baden ist ein echtes Phänomen. Von vielen als Rentner-Hochburg abgestempelt, ist es für mich eine Reise in die Vergangenheit. Damit meine ich nicht nur die ehrwürdigen Gebäude, die hier überall perfekt erhalten sind. Auch nicht die Therme, die seit 150 Jahren zu den schönsten Bädern der Welt zählt. Für mich ist Baden-Baden einfach Entschleunigung pur. Die Reise in eine Zeit, in der nicht jede Minute zählte, sondern man sich auch mal Zeit lassen konnte.

Zu einer Zeitreise gehört natürlich auch das passende Hotel. In Baden-Baden möchte ich nicht in einem Neubau wohnen. Hier sollen die Dielenböden knarren, es muss Stuck an die Decke, und auch die Teepause am Nachmittag gehört dazu. Das Belle Epoque erfüllt diese Kriterien mit Bravour. Um ehrlich zu sein, ist es eines der Hotels, die mich auf die Idee zu diesem Blog gebracht haben. Ich komme nämlich seit ca. 10 Jahren immer wieder mal hier her. Das Belle Epoque ist der Prototyp des kleinen, feinen Hotels. Mit seinen ca. 20 Zimmern ist es klein genug, um jederzeit ruhig und entspannt zu bleiben. Von anderen Gästen ist nicht viel zu spüren. Selbst wenn es hier voll ausgebucht ist, fühlt sich alles sehr privat an. Das Hotel ist 1874 erbaut. Und die Atmosphäre dieser Zeit ist bis heute perfekt konserviert. Alles ist natürlich in sehr gutem Zustand. Das Hotel hat nicht umsonst fünf Sterne. Aber um eine so eine wundervolle Patina zu erzeugen, sind wohl tatsächlich 150 Jahre nötig. Alle Räume atmen förmlich Geschichte.
Jedes Zimmer steckt voller Antiquitäten. Die Möbel sind vermutlich tatsächlich aus der Belle Epoque. Und wenn man am Nachmittag auf der sonnigen Terrasse seinen Tee genießt, dann ist man endgültig in der Vergangenheit angekommen. Das kleine, aber feine Kuchenbuffet, das es hier von drei bis fünf gibt, ist übrigens im Preis enthalten.

Das Belle Epoque hat kein Restaurant und auch keinen Pool. Das ist für mich in Baden-Baden aber kein Malus. Das Hotel liegt in einem herrschaftlichen Wohnviertel nah der Altstadt. Von hier aus flaniert man gemütlich durch das kleine Städtchen, erkundet die vielfältige Gastronomie oder läuft direkt zu einer der beiden Thermen. Das kleine Flüsschen Oos fließt durch einen idyllischen Park in der Nähe des Hotels. Auch das Festspielhaus, die berühmte Spielbank und mehrere Museen sind in weniger als 10 Minuten zu Fuß zu erreichen.
Für mich ist das Belle Epoque in Baden-Baden das perfekte Ziel für einen Wochenendaufenthalt. Freitag oder Samstag hinfahren, Sonntag zurück. Selbst innerhalb eines Tages spürt man den Zauber der kleinen Stadt. Einen Besuch des Friedrichsbades empfehle ich jedem, der kein Problem mit Nacktheit hat. Hier wird die Zeitreise wirklich perfekt. Eine solche Therme gibt es auf der Welt kein zweites Mal. Und gäbe es hier kein elektrisches Licht, würde wirklich nichts auf das Jahr 2018 hinweisen. Für alle, die die Badehose lieber anlassen, gibt es einige Meter weiter auch die familientaugliche Caracalla-Therme als moderne Interpretation des Friedrichsbades.

Wer etwas mehr Zeit hat, der sollte sich auch die herrliche Natur nicht entgehen lassen. Baden-Baden liegt in einem kleinen Tal, umschlossen von sanften Hügeln und kleineren Bergen. Eine über 100 Jahre alte Standseilbahn bringt die Besucher auf den knapp 700 Meter hohen Merkur. Dort wartet ein hübsches Restaurant – und eine wirklich überwältigende Aussicht. Wer gerne wandert, kommt dort mit Sicherheit voll auf seine Kosten.
Besonders schön ist es in Baden-Baden übrigens während der Kirschblüte im Frühling. Aber auch in der Weihnachtszeit lohnt sich ein Besuch. Highlight des Jahres ist für mich das SWR3 New Pop-Festival. Hier treten tolle Newcomer-Bands in den zahlreichen ehrwürdigen Festspielhäusern der Stadt auf. Sara Bareilles habe ich hier mal live gesehen, bevor Sie berühmt wurde.
Noch einmal zurück zum Belle Epoque: Ich möchte das Hotel wirklich jedem ans Herz legen, der mal etwas Besonderes erleben möchte. Es ist nicht ganz günstig, aber wenn man auf Booking.com mal einen guten Preis erwischt, ist es für ein Wochenende zu zweit wirklich gut zu stemmen.
















Das Hotel selbst besteht aus vielen kleinen verstreut liegenden Häusern und Gärten. Wir haben in unseren zwei Nächten kaum einen anderen Gast gesehen. Obwohl das Hotel ausgebucht war, fühlte es sich nicht so an. Auf den vielen kleinen Terrassen findet jeder sein privates Plätzchen. Die Einrichtung und Ausstattung ist sehr geschmackvoll und hübsch. Und: endlich mal richtig gutes WLAN. Da ich mich sonst immer darüber ärgere, muss ich das einfach mal lobend erwähnen. Ansonsten wäre ein Wasserkocher auf dem Zimmer noch sehr schön gewesen. Und ein paar dicke Decken. Aber die braucht man wohl auch nur im Oktober.