Hotel Tigmiza, Marrakesch

Wenn jemand das erste Mal nach Marrakesch fährt, bucht er für gewöhnlich einen der schicken Riads in der Medina. So haben wir es vor einigen Jahren auch gemacht. Die Altstadt von Marrakesch ist zwar ungemein spannend und exotisch – aber auch laut, hektisch und ziemlich anstrengend. Wer sich in der südlichen Sonne Marokkos einfach nur erholen möchte, der findet auch im näheren Umkreis der Stadt attraktive Alternativen.
DP1Q3414Eine davon ist das Tigmiza Suites&Pavillons. Das luxuriöse fünf Sterne-Resort im Stile einer klassischen Kasbah liegt ca. 20 Minuten außerhalb der Stadt. Versteckt hinter hohen Mauern ist hier vor ca. 10 Jahren ein echtes Paradies entstanden. Während das Umland doch eher karg und steinig aussieht, ist innerhalb des weitläufigen Areals die Vegetation förmlich explodiert. Mein erster Gedanke war: „sieht nach Indiana Jones aus“.

Die alte Villa, die 2007 renoviert und zum Haupthaus des Hotels ausgebaut wurde, beherbergt diverse luxuriöse Suiten und das internationale Restaurant. Im Zentrum des weitläufigen Gebäudes liegt ein großer, schattiger Innenhof, der komplett mit uralten Bananenbäumen zugewachsen ist. Unter einem dichten Dach aus Bananenblättern kann man in einem beheizten Pool auch in den Wintermonaten entspannt seine Bahnen ziehen. Man fühlt sich dabei, als hätte man einen lange vergessenen Tempel im Urwald entdeckt. Ein magisches Gefühl.
DP1Q3279Direkt vor dem Haupthaus findet sich auch noch ein deutlich größerer Pool. Umgeben von mächtigen Palmen kann man sich hier den ganzen Tag in der Sonne räkeln, während leise französische Musik aus versteckten Lautsprechern säuselt und der feine Duft von Thymian und Oregano in der Luft liegt. Wer mittags Hunger bekommt, muss nur wenige Schritte bis zur Poolbar gehen. Der große Pool ist übrigens nicht beheizt. Wer wie wir die Nebensaison mit den entsprechend günstigen Preisen nutzen möchte, sollte das bedenken. Die meiste Zeit des Jahres ist es ja ohnehin sehr warm in Marokko.

Neben den Suiten im Haupthaus gibt es auch diverse Villen auf dem Gelände. Viele davon verfügen über separate Wohn- und Schlafbereiche und einige haben sogar einen privaten Pool. Spätestens hier vergisst man dann komplett, dass man sich in einem Hotel befindet. Die Pavillons sind über das ganze Gelände verteilt und so zauberhaft eingewachsen, dass man außer einem Türmchen hier und einem kleinen Weg dort absolut nichts von der Nachbarschaft mitbekommt. Privater geht es nicht mehr. Ich könnte daher auch nicht genau sagen, wie viele dieser Villen es auf dem Gelände gibt. Ich vermute, dass es maximal 20 sind.
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Von Innen sind die kleinen Häuschen sehr liebevoll und hochwertig ausgestattet. Eine Mischung aus marokkanischem Flair, tollen Vintage-Möbeln und französischer Leichtigkeit prägen das Ambiente. Pastellfarbene Orientteppiche, kunstvolle, handbemalte Holzdecken und die Wände aus matt glänzendem Tadelakt wirken gemütlich und trotzdem zeitlos. Besonders gut gefallen haben mir die großen Glasflächen, die nur von filigranen Metallprofilen eingerahmt werden. Mit einer Dreifachverglasung, wie sie in kalten Ländern heute üblich ist, würde man so stilvolle Fenster wohl nicht hinbekommen.
DP1Q3358Im Prinzip muss man die Anlage eigentlich gar nicht verlassen. Im direkten Umkreis gibt es auch wirklich nichts außer Staub und Steinen. Wer dennoch etwas Abwechslung möchte, der kann sich vom Hotel-Shuttle 2x am Tag kostenlos in die Medina bringen lassen.

Für mich ist das Tigmiza eine echte Empfehlung. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist für ein Haus dieser Klasse wirklich gut. Das reichhaltige Frühstück ist im Preis mit drin, der Service zuvorkommend und nett. Leider war das zweite Restaurant wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Etwas mehr Abwechslung beim Abendessen wäre willkommen gewesen, da man ja nicht ohne weiteres woanders Essen gehen kann.DP1Q3436Ich würde das Tigmiza unter „legerer Luxus“ einordnen. Es ist zwar ein waschechtes fünf-Sterne-Haus, aber niemand hebt die Augenbraue, wenn man in der Badehose auf der Anlage herumläuft oder in Jeans und T-Shirt beim Abendessen erscheint. Perfekt ist das Tigmiza sicher nicht. Die Verkabelung der Beleuchtung ist ziemlich hemdsärmelig verlegt, die Schläuche der Bewässerungsanlage gut sichtbar. Die Rasenflächen sind auch nicht überall in perfektem Zustand.

Aber im Endeffekt sind das alles echte Kleinigkeiten. Das Tigmiza-Feeling ist insgesamt wirklich toll. Man fühlt sich wie in einer anderen Welt. Und der Enspannungs-Faktor ist extrem hoch. Abgesehen davon ist es eben auch deutlich günstiger als viele andere Häuser dieser Kategorie.

www.hotel-tigmiza-marrakech.com

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Hôtel Demeure Castel Brando

Manche Häuser haben eine Seele. Man spürt es sofort, wenn man sie zum ersten Mal betritt. Auch im Castel Brando spürt man den Hauch der Geschichte. Erbaut wurde es bereits im Jahre 1853. Und der Charme des alten Herrenhauses ist bis heute erhalten geblieben.

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Das Highlight des Castel Brando ist der schattige Innenhof: Üppig eingewachsen, gesäumt von ehrwürdigen Palmen und mit einem uralten Olivenbaum im Mittelpunkt. Hier kann man die korsische Mittagshitze gut überstehen. Auch das Frühstück findet hier DP1Q2454blogstatt. Das ist reichhaltig und lecker, muss aber leider zusätzlich bezahlt werden. Gegen Abend wird der Hof dann immer leerer. Das liegt vor allem am Fischerdörfchen Erbalunga.

Direkt gegenüber vom Hotel beginnt die quirlige, bunte Altstadt mit dem schönen, kleinen Hafen. Abends ist es hier wirklich herrlich, wenn man bei einer leichten Brise über den großen Platz bis zum Meer flaniert.
Das ist vermutlich auch der Grund, weshalb das Castel Brando kein eigenes Restaurant besitzt. Die Möglichkeiten für ein leckeres Abendessen direkt am Meer sind in Erbalunga einfach zu vielfältig. Natürlich gibt es vor allem frisch gefangenen Fisch in allen Variationen. Das Dörfchen besitzt auch einen kleinen Kiesstrand. Für eine kurze Abkühlung im Meer ist das schön. Aber wer Strandurlaub im Sinn hat, ist hier am falschen Ort.
Auf Wasser muss man im Castel Brando dennoch nicht verzichten. Es gibt gleich zwei Pools, wobei der Größere mit einem tollen Blick auf die Berge besticht. Wem das Wasser noch nicht warm genug ist, der kann sich im benachbarten Jucuzzi gar kochen.
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Das Hotel hat ca. 40 Zimmer. Die verteilen sich sehr unauffällig auf vier Gebäude, die in einigem Abstand auf dem Gelände stehen. Am besten fragt man nach einem Zimmer im Haupthaus. Das ist am stilvollsten. Wobei das Anwesen generell perfekt renoviert und in bestem Zustand ist.

Das Castel Brando ist für uns ein eher untypisches Hotel. Wir mögen es ja eigentlich eher ruhig und abgeschieden. Hier ist man mitten im Leben. Das soll aber keine Wertung sein. Wer ein bisschen korsisches Flair schnuppern möchte, der ist in Erbalunga genau richtig. Man nennt es auch nicht umsonst das Tor zum Cap Corse. Die Küstenstraße, die hier beginnt, ist eine der schönsten, die ich je gefahren bin.
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www.de.castelbrando.com

 

Casa Talia, Modica

Es gibt zwei Arten von Hotels in diesem Blog: Die, aus denen man nie wieder ausziehen möchte. Und die, die so beeindruckend sind, dass man zumindest mal eine Nacht darin bleiben sollte. Die Casa Talia gehört definitiv zur zweiten Kategorie.

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Dass uns hier zwei Nächte gereicht haben, liegt eigentlich nicht am Hotel, sondern an der Lage. Die ist gigantisch. Beeindruckend. Überwältigend. Aber es ist eben ein Stadthotel. Und das passt nicht zu 100% in mein Beuteschema. Eigentlich suche ich ja nach der ultimaten Ruhe.

blogUnsere Entscheidung für die Casa Talia hatte zwei Gründe: Zum einen die Nähe zum Flughafen Comiso und zum anderen das kleine barocke Städtchen Modica. Es ist eine ganz eigene Atmosphäre, die diese kleine sizilianische Stadt auszeichnet. Man könnte es fast morbiden Charme nennen. Jahrhundertealte Häuschen schmiegen sich an die steilen Hänge und Schluchten. Nur unterbrochen von engen, dunklen Gassen. Man fühlt sich stellenweise wie ein Zeitreisender. Und man sollte eine halbwegs gute Kondition haben. Nachdem wir zwei Mal von der Casa Talia ins Tal gelaufen waren, überlegten wir tatsächlich, ob man abends wirklich etwas essen muss.

DP1Q0760Das war auch der größte Nachteil des kleinen Hotels. Eigentlich kann man es gar nicht so richtig als Hotel bezeichnen. Es gibt keine Rezeption, kein Restaurant, keine Bar. Nur Frühstücken kann man. Und das wirklich ganz hervorragend.
Normalerweise ist ein fehlendes Restaurant kein Grund für einen Punktabzug. Das Hotel liegt jedoch ganz oben auf einem steilen Berg. Und einkaufen oder essen kann man nur unten im Tal. Das Problem ist, dass man nach dem Abstieg irgendwann auch wieder hinauf muss. Und das ist extrem schweißtreibend.

DP1Q0758Aber man kann ja niemals alles haben. Dafür bekommt man eben die absolut grandiose Aussicht. Man kann auf einer der vielen kleinen Terrassen wirklich problemlos den ganzen Tag verbringen. Jedes Mal, wenn du von deinem Buch hochschaust, bist du auf´s Neue hin und weg von Modica.

DP1Q0804Das Hotel selbst besteht aus vielen kleinen verstreut liegenden Häusern und Gärten. Wir haben in unseren zwei Nächten kaum einen anderen Gast gesehen. Obwohl das Hotel ausgebucht war, fühlte es sich nicht so an. Auf den vielen kleinen Terrassen findet jeder sein privates Plätzchen. Die Einrichtung und Ausstattung ist sehr geschmackvoll und hübsch. Und: endlich mal richtig gutes WLAN. Da ich mich sonst immer darüber ärgere, muss ich das einfach mal lobend erwähnen. Ansonsten wäre ein Wasserkocher auf dem Zimmer noch sehr schön gewesen. Und ein paar dicke Decken. Aber die braucht man wohl auch nur im Oktober.

www.casatalia.it